Geringfügige Beschäftigung (Mini-Job)

Zum 1.1.2013 gibt es einige Änderungen für Geringfügig Beschäftige, den sogenannten Mini-Jobbern. Diese Änderungen werden wir in einer kleinen Beitragsreihe mit 9 einzelnen Unterpunkten auf unserer Homepage hier unter Aktuelles alle 2 Tage erörtern. Zum Ende der Reihe werden dann alle Einzelbeiträge in unserer Rubrik „Beiträge“ übersichtlich in einem Aufsatz gesammelt und zum Nachlesen bereitgestellt.

 

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass wir für die rechtliche Richtigkeit keine Gewähr übernehmen können, sondern dass wir bei diversen Quellen recherchiert haben und die Fakten komprimiert und auf das Wesentliche verständlich zusammengeführt haben. Wir wollen über die möglichen Folgen einer Befreiung sensibilisieren und unseren Lesern nützliche Tipps an die Hand geben. Auf alle Besonderheiten konnten wir dabei nicht eingehen. Diese erfragen Sie bitte bei den steuerberatenden Berufsträgern und den entsprechenden öffentlichen Einrichtungen.

1. Was galt bisher?

Für eine bzw. mehrere geringfügige Beschäftigungen konnte ein Arbeitnehmer bis zu insgesamt 400,- Euro im Monat verdienen. Darauf zahlte der Arbeitgeber 30 % Sozialabgaben (2  % Pauschalsteuer + 15  % Rentenversicherung + 13  % Krankenversicherung). Für den Arbeitnehmer entfiel ein Beitrag zur sogenannten Sozialversicherung. Es bestand für ihn aber die Möglichkeit, auch in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Aber nur auf Antrag.

 

Für geringfügig entlohnte Beschäftigungen bis 400,- Euro im Monat, die schon vor dem 1.1.2013 bestanden, ändert sich nichts, sofern der bisherige Status beibehalten wird. Bei einer Erhöhung auf über 400,- Euro (Obergrenze 450,- Euro) und bei neuen Beschäftigungen ab dem 01.01.2013 bis zu 450,- Euro besteht automatisch eine Rentenversicherungspflicht. Von dieser kann man sich nun auf Antrag befreien lassen.

2. Allgemeines

Seit dem 1. Januar 2013 unterliegen Arbeitnehmer, die eine geringfügig entlohnte Beschäftigung (450-Euro-Minijob) ausüben, grundsätzlich der Versicherungs- und vollen Beitragspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung.

 

Der vom Arbeitnehmer zu tragende Anteil am Rentenversicherungsbeitrag beläuft sich auf 3,9 Prozent (bzw. 13,9 Prozent bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen in Privathaushalten) des Arbeitsentgelts.

Er ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Pauschalbeitrag des Arbeitgebers (15 Prozent bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen im gewerblichen Bereich/ bzw. 5 Prozent bei solchen in Privathaushalten) und dem vollen Beitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 18,9 Prozent.

 

Zu beachten ist, dass der volle Rentenversicherungsbeitrag mindestens von einem Arbeitsentgelt in Höhe von 175 Euro zu zahlen ist.

 

3. Wer hat welchen Beitrag zu leisten?

Ist die Entscheidung zur Rentenversicherung gefallen, zahlt der Arbeitgeber wieder insgesamt 30  % auf den Lohn (siehe auch Punkt 1 „Was galt bisher“).

Bei geringfügig entlohnten Beschäftigungen in Privathaushalten vermindert sich der Beitrag des Arbeitgebers um 10  %-Punkte, also 5 %, in der Rentenversicherung.

 

3,9  %

Der Arbeitnehmer zahlt die Differenz von 15  % des Arbeitgeberanteils zur Rentenversicherung (Stand 1.1.2013: 18,9  %). Der Prozentsatz kann also variieren.

 

13,9  %

Diesen Anteil zur Rentenversicherung leisten die geringfügig entlohnten Beschäftigten in Privathaushalten, da hier der Arbeitgeberanteil ja nur bei 5  % liegt.

 

6,83  EUR bis 17,55 EUR (24,32 EUR bis 62,55  EUR)

Der Beitrag wird von einem Sockelbeitrag von mindestens 175  EUR berechnet.

Dies entspricht bei Beschäftigten im Privathaushalt dann 24,32  EUR, den der Arbeitnehmer selber zu tragen hat.

 

Bei einer Entlohnung von 450 EUR monatlich steigt der Anteil nominal auf 17,55 EUR bzw. im Privathaushalt auf 62,55  EUR.

4. Vorteile der vollen Beitragszahlung zur Rentenversicherung

Die Vorteile der Versicherungspflicht für den Arbeitnehmer ergeben sich aus dem Erwerb von Pflichtbeitragszeiten in der Rentenversicherung. Das bedeutet, dass die Beschäftigungszeit in vollem Umfang für die Erfüllung der verschiedenen Wartezeiten (Mindestversicherungszeiten) berücksichtigt wird.

 

Pflichtbeitragszeiten sind beispielsweise Voraussetzung für

-  einen früheren Rentenbeginn,

- Ansprüche auf Leistungen zur Rehabilitation (sowohl im medizinischen Bereich als auch im Arbeitsleben),

- den Anspruch auf Übergangsgeld bei Rehabilitationsmaßnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung,

- die Begründung oder Aufrechterhaltung des Anspruchs auf eine Rente wegen Erwerbsminderung,

- den Anspruch auf Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersversorgung und

- die Erfüllung der Zugangsvoraussetzungen für eine private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung (zum Beispiel die so genannte Riester-Rente) für den Arbeitnehmer und gegebenenfalls sogar den Ehepartner.

 

Darüber hinaus wird das Arbeitsentgelt nicht nur anteilig, sondern in voller Höhe bei der Berechnung der Rente berücksichtigt

5. Der Antrag (mit Formular)

Ist die Versicherungspflicht nicht gewollt, kann sich der Arbeitnehmer von ihr befreien lassen.

Hierzu muss er seinem Arbeitgeber - möglichst mit dem beiliegenden Formular - schriftlich mitteilen, dass er die Befreiung von der Versicherungspflicht in der Rentenversicherung wünscht.

 

Übt der Arbeitnehmer mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen aus, kann der Antrag auf Befreiung nur einheitlich für alle zeitgleich ausgeübten geringfügigen Beschäftigungen gestellt werden.

Über den Befreiungsantrag hat der Arbeitnehmer alle weiteren - auch zukünftige -Arbeitgeber zu informieren, bei denen er eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausübt. Die Befreiung von der Versicherungspflicht ist für die Dauer der Beschäftigung(en) bindend; sie kann nicht widerrufen werden.

Formular Befreiungsantrag zur Rentenversicherung bei Gerinfügig entlohnter Beschäftigung
Befreiungsantrag_RV_Pflicht Formular.pdf
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6. Die Zeiten und Fristen zur Abgabe der Befreiung

Die Befreiung wirkt grundsätzlich ab Beginn des Kalendermonats des Eingangs beim Arbeitgeber, frühestens ab Beschäftigungsbeginn.

Voraussetzung ist, dass der Arbeitgeber der Minijob-Zentrale die Befreiung bis zur nächsten Entgeltabrechnung, spätestens innerhalb von 6 Wochen nach Eingang des Befreiungsantrages bei ihm meldet.

Anderenfalls beginnt die Befreiung erst nach Ablauf des Kalendermonats, der dem Kalendermonat des Eingangs der Meldung bei der Minijob-Zentrale folgt.

7. Konsequenzen aus der Befreiung von der Rentenversicherungspflicht

mit Hinweis und Angabe einer kostenlosen Service-Telefonnummer

Geringfügig entlohnt Beschäftigte, die die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht beantragen, verzichten freiwillig auf die oben genannten Vorteile.

Durch die Befreiung zahlt lediglich der Arbeitgeber den Pauschalbeitrag in Höhe von 15 Prozent (bzw. 5 Prozent bei Beschäftigungen in Privathaushalten) des Arbeitsentgelts. Die Zahlung eines Eigenanteils durch den Arbeitnehmer entfällt hierbei.

Dies hat zur Folge, dass der Arbeitnehmer nur anteilig Monate für die Erfüllung der verschiedenen Wartezeiten erwirbt und auch das erzielte Arbeitsentgelt bei der Berechnung der Rente nur anteilig berücksichtigt wird.

 

Hinweis:

Bevor sich ein Arbeitnehmer für die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht entscheidet, wird eine individuelle Beratung bezüglich der rentenrechtlichen Auswirkungen der Befreiung bei einer Auskunfts-­und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung empfohlen. Das Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung ist kostenlos unter der 0800 10004800 zu erreichen.

Bitte nach Möglichkeit beim Anruf die Versicherungsnummer der Rentenversicherung bereithalten.

8. Sonstiges und Ergänzendes

Entsprechend der Anhebung der Arbeitslohngrenze bei geringfügiger Beschäftigung steigt auch die Grenze für die anschließende Gleitzone um 50 Euro auf 850 Euro.

 

Bei Arbeitnehmern, deren Arbeitsentgelt bereits 2012 über 800 Euro, aber höchstens 850 Euro (das neue Ende der Gleitzone) betragen hat, bleibt die Sozialversicherungspflicht unverändert – ohne Gleitzonenregelung – bestehen.

 

Wünscht der Arbeitnehmer aber ab 2013 die Anwendung der neuen Gleitzonenregelung, muss er dies seinem Arbeitgeber gegenüber schriftlich erklären. In diesem Fall gilt die Gleitzonenregelung für alle Sozialversicherungszweige einschließlich der Rentenversicherung.

 

Die Erklärung ist nur für die Zukunft möglich, für Januar 2013 und Februar 2013 muss sie dem Arbeitgeber spätestens an dem Tag vorliegen, an dem er die Lohnabrechnung durchführt.

 

Die Erklärung ist vom Arbeitgeber aufzubewahren.

9. Anmerkungen von kanzleimanager-nrw

Hat der Arbeitnehmer (m/w) nur Arbeitseinkünfte aus der geringfügigen Beschäftigung. so hat er jetzt die Möglichkeit bei Einzahlung seines 3,9  %-igen Anteils in die Rentenversicherung sofort Pflichtbeitragszeiten zu erwerben.

Für diesen Arbeitnehmer (m/w) lohnt sich in jedem Fall in die Rentenversicherung einzuzahlen. Die vielen Vorteile wie z.B. früherer Rentenbeginn und den Ansprüchen auf Leistungen zur Rehabilitation finden Sie in unserem Beitrag Vorteile der vollen Beitragszahlung zur Rentenversicherung aufgeführt.

 

Für den Arbeitnehmer (m/w), der zu einem Full-Time-Job noch eine geringfügig entlohnte Beschäftigung nachgeht, lohnt sich in der Regel kaum eine zusätzliche Einzahlung in seine laufende Rentenversicherung. Er hat ja schon Anwartschaften erworben. Eine bessere Rendite erzielen sie oder er mit anderen Geldanlagen oder Sparmöglichkeiten.

 

Unsere Empfehlung kann eine individuelle Beratung nicht ersetzen. Das Servicetelefon der Deutschen Rentenversicherung ist kostenlos unter der 0800 10004800 zu erreichen. Bitte nach Möglichkeit beim Anruf die Versicherungsnummer der Rentenversicherung bereithalten.

 

 Nächstes Arbeitstreffen

für Duisburg

am 11. September 2018

ab 19:00 Uhr

Kartoffel-Kiste

Schweizer Straße 105

in 47058 Duisburg