Fußballfieber und Arbeiten

 

  Fußball-WM-Gucken: Was ist am Arbeitsplatz erlaubt?

 

ein Beitrag von Rechtsanwalt Henrik Thiel

 

Nun ist es wieder soweit. Die WM in Brasilien ist angelaufen und für Millionen Fans bedeutet dies einen Spagat zwischen den Spielen und ihrem Job. Teilweise werden die Spiele während der Arbeitszeit übertragen, teilweise wiederum erst spät in der Nacht, so dass Konflikte zwischen arbeitsvertraglichen Pflichten und der Begeisterung für die WM-Spiele leicht entstehen können, wenn ausgelassen gefeiert wird, am Morgen Restalkohol oder Übermüdung  vorliegt oder Spiele am Arbeitsplatz gesehen werden.

 

Was ist erlaubt, worauf ist zu achten?

 

Grundsätzlich gilt, dass auch während eines herausragenden Sportereignisses - wie der WM in Brasilien - für fußballbegeisterte Arbeitnehmer keine anderen Regeln im Betrieb gelten als sonst auch.

 

Dies bedeutet, dass Arbeitnehmer verpflichtet sind, ihre Arbeitsleistung - wie sonst auch - normal zu erbringen.

 

Werden Spiele erst spät am Abend oder gar in der Nacht übertragen, hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber die betriebsüblichen Arbeitszeiten verschiebt und der Arbeitnehmer erst später mit der Arbeit beginnt.

 

Ein Verschlafen aufgrund der späten Anstoßzeiten ist also auch kein Rechtfertigungsgrund und kann eine Abmahnung zur Folge haben.

 

Ebenso wenig dürfen Arbeitnehmer vor dem Ende ihrer festgelegten Arbeitszeit ohne Erlaubnis ihren Arbeitsplatz vorzeitig verlassen, um rechtzeitig zum Spielbeginn nach Hause oder einem Public Viewing zu kommen. Dies würde eine Arbeitsverweigerung darstellen, für die der Arbeitgeber eine Abmahnung erteilen kann, im Wiederholungsfalle sogar eine Kündigung.

 

Auch dem Wunsch des Arbeitnehmers, in eine andere Schicht versetzt zu werden, um bestimmte Spiele sehen zu können, muss der Arbeitgeber nicht entsprechen.

 

Bestehen im Betrieb hingegen Regelungen über flexible Arbeitszeiten, so können diese natürlich genutzt werden.

 

Werden Spiele während der Arbeitszeit übertragen, müssen Arbeitnehmer trotzdem konzentriert arbeiten. Ausgeschlossen ist z.B., dass der Arbeitnehmer einen Fernseher mit an den Arbeitsplatz nimmt, um dort WM-Spiele anzusehen, weil hierbei ein konzentriertes Arbeiten nicht möglich ist. Es sei denn, der Arbeitgeber erlaubt es zuvor ausdrücklich oder organisiert sogar ein gemeinsames Firmen-Viewing.

 

Radioübertragungen dürfen, sofern Radios nicht grundsätzlich untersagt sind, hingegen während der Arbeitszeit gehört werden, wenn es die Kollegen nicht stört und es mit der konkreten Art der Tätigkeit zu vereinbaren ist.

 

Hinsichtlich der Übertragungen von Spielen im Livestream im Internet kann allgemein auf die Grundsätze zur unerlaubten privaten Nutzung des Internets während der Arbeitszeit zurückgegriffen werden. Selbst wenn die private Internetnutzung erlaubt ist, umfasst diese Erlaubnis nicht eine ausschweifende Internetnutzung während der Arbeitszeit. Davon wird man aber ausgehen können, wenn ein Arbeitnehmer ein komplettes Fußballspiel während der Arbeitszeit im Livestream verfolgt. In diesen Fällen wäre der Arbeitgeber berechtigt, den Arbeitnehmer zumindest abzumahnen und im Wiederholungsfall zu kündigen.

 

Ein kurzer Blick auf den Spielstand via Internet des Bürocomputers zieht hingegen noch keine Konsequenzen nach sich, sofern nicht generell die Privatnutzung des betrieblichen Internet untersagt ist.

 

Gleiches dürfte geltend, wenn der Arbeitnehmer kurz den Spielstand über einen Live-Ticker auf seinem Smartphone checkt.

 

Der Arbeitnehmer kann natürlich für die Zeit der WM oder einzelner Tage Urlaub beantragen. Einen Anspruch auf stundenweisen Urlaub für ein Spiel kennt das Bundesurlaubsgesetz nicht. Ein „Sonderurlaubsrecht“ für WM-Begeisterte gibt es aber dabei nicht, d.h. der Arbeitgeber hat neben den betrieblichen Belangen auch vorrangige Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, z.B. mit Kindern in den Ferien, zu berücksichtigen.

 

Wer sich selbst beurlaubt, begeht einen schweren Pflichtenverstoß, der zumindest mit einer Abmahnung, ggf. sogar mit einer ordentlichen Kündigung geahndet werden kann.

 

Wer auf die Ablehnung seines Urlaubswunsches gar mit den Worten „wenn ich keinen Urlaub bekomme, bin ich eben krank“ reagiert, bietet seinem Arbeitgeber gleich eine Steilvorlage für eine fristlose Kündigung.

 

Kommt der Arbeitnehmer zur Arbeit, darf er ggf. auch Fankleidung wie Trikot, Schirmmütze oder Schal tragen, sofern es für die Mitarbeiter keinen einheitlichen Dresscode gibt und betriebliche Interessen, z.B. bei Kundenkontakten des Arbeitnehmers, nicht verletzt werden oder Sicherheitsbestimmungen entgegen stehen.

 

Grundsätzlich dürfen Arbeitnehmer im Betrieb auch ein Tippspiel organisieren. Dabei sollten die Tippabgaben und E-Mails an Kollegen besser in den Pausen erfolgen.

 

Kurze Gespräche über die WM-Spiele - für die deutsche Mannschaft hoffentlich erfolgreich verlaufend - während der Arbeitszeit sind auch zulässig, wenn es sich im Rahmen hält und die Arbeit nicht darunter leidet.

 

Problematisch wird es, wenn der Arbeitnehmer nach ausgiebiger Feier morgens angetrunken bzw. völlig übermüdet zur Arbeit erscheint.

 

Bei Restalkohol droht dem Arbeitnehmer eine Abmahnung, in bestimmten Fällen, z.B. Busfahrer oder Kranführer, ggf. sogar eine Kündigung. Zudem kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer nach Hause schicken, ohne Vergütung für den Tag zu schulden.

 

Bei Übermüdung kann der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft nicht voll zur Verfügung stellen. Auch dies kann zu einer Abmahnung führen.

 

Fazit: Trotz der WM gelten alle normalen Pflichten aus dem Arbeitsverhältnis. Ausnahmen unterliegen dem „Good will“ des Arbeitgebers.

 

Möglicherweise werden die meisten Arbeitgeber bei kleineren Pflichtverletzungen ein Auge zudrücken, insbesondere wenn sich die deutsche Nationalmannschaft hoffentlich für die Finalspiele qualifiziert!

Rechtsanwalt Henrik Thiel ist Spezialist für Arbeitsrecht

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